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Werbung im Jahr 2035: Drei Szenarien und was sie für das Destinationsmarketing bedeuten

Marc Werner | Januar 2026

Der Tourismus lebt von Zukunftsbildern: vom Versprechen der nächsten Reise, von der Sehnsucht nach Erholung oder Abenteuer.

Doch was passiert, wenn sich die Rahmenbedingungen für diese Versprechen immer schneller und grundlegender verändern? Wenn Algorithmen entscheiden, welche Destination sichtbar wird, wenn Nachhaltigkeit nicht mehr Kür, sondern Pflicht ist – und wenn Krisen unser Umfeld dauerhaft prägen?

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich drei konsistente Zukunftsbilder (=Umfeldszenarien) für Werbung im Jahr 2035 entwickelt und daraus verschiedene inhaltliche und strukturelle Implikationen für Werbung und Werbetreibende abgeleitet. Diese Szenarien lassen sich auch auf die touristische Kommunikation übertragen – eine Branche, die besonders sensibel auf externe Faktoren reagiert.

Strategic Foresight: Warum heute mit der Zukunft befassen?

Werbung entwickelt sich mehr und mehr zu einer reaktiven Instanz, getrieben durch ihr externes Umfeld. Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen werden häufig unter dem Begriff der „VUCA-Welt“ zusammengefasst, in der Veränderungen und Unsicherheiten im Unternehmensumfeld zur Normalität geworden sind (Gaubinger, 2021, S. 7).

Für Werbetreibende ergibt sich daraus eine Notwendigkeit, sich schon heute im Rahmen ihrer strategischen (Kommunikations-)Planung mit zukünftigen Entwicklungen in ihrem Umfeld auseinanderzusetzen. Zumal erfordert Werbung häufig langfristige Entscheidungen und Investitionen (Bruhn, 2025, S. 239), darunter in den Markenaufbau, in Technologien oder in die Dateninfrastruktur.

Methodik der Arbeit

Als methodischer Rahmen der Masterarbeit diente die Szenario-Technik nach von Reibnitz (1992). Im Gegensatz zu anderen Prognoseinstrumenten treibt sie die Exploration unsicherer Zukünfte mittels alternativer Entwicklungsrichtungen voran, was die strategische Planung insgesamt flexibler gestalten soll (Drechsler, 2021, S. 236).

Die Szenario-Technik wurde außerdem in Kombination mit einer mehrstufigen Expertenbefragung, einer sog. „Delphi-Studie“, durchgeführt. Hierbei wurden insgesamt zehn Experten aus der Praxis und Hochschulforschung befragt. Der Prozess umfasste u. a. die qualitative Bewertung von insgesamt 25 Einflussfaktoren aus den Bereichen Wirtschaft, Gesetzgebung, Gesellschaft, Technologie, Medien und Ökologie sowie das Aufstellen von Trendprojektionen für jeden Einflussfaktor. Unter dem Einsatz einer Szenario-Software wurden alle möglichen Szenarien auf ihre Verträglichkeit geprüft, sodass anschließend drei konsistente Szenarien ausgewählt werden konnten, die sich gleichzeitig auch deutlich voneinander unterscheiden.

Szenarien 2035

Schlussfolgerungen

Die drei Szenarien zeigen unterschiedliche Entwicklungsverläufe für die Werbung auf. Im Rahmen der Delphi-Befragung wurde insbesondere der Eintritt von Szenario 3 als wahrscheinlich, und zum Teil als sehr wahrscheinlich, bewertet. Dennoch müssen Maßnahmen für jede Destination, mit ihren spezifischen Eigenschaften, individuell bewertet werden.

Szenario-übergreifend zeichnet sich jedoch ein stark wachsender Einfluss von KI und Automatisierung ab, sodass ein qualifizierter Umgang mit KI-Systemen und -Modellen eine zukünftige Schlüsselkompetenz darstellen muss. Gleichzeitig bedarf es des Aufbaus hybrider Wertschöpfungsmodelle, die technologische wie kreative Prozesse miteinander verschmelzen. So können überragende kreative Ideen in Zeiten zunehmender Austauschbarkeit durch Algorithmisierung zu einem starken Differenzierungsmerkmal werden.

Zum Abschluss: 5 Tipps für Ihr Destinationsmarketing

  1. Zukunft systematisch beobachten, statt voreilig zu reagieren.
    Etablieren Sie ein Trend- bzw. Umfeldmonitoring (z. B. halbjährig) relevanter Einflüsse, um Entwicklungen und Tendenzen frühzeitig zu erkennen.
  2. Kompetenzen in Daten, KI und Digitalethik gezielt aufbauen.
    Bauen Sie intern Know-how zu Datenanalyse, KI-Anwendungen und deren verantwortungsvollen Einsatz auf, z. B. durch Weiterbildung oder neue Rollenprofile.
  3. Marketing enger mit Destinationsentwicklung verzahnen.
    Kommunikation darf nicht nur versprechen, sondern muss widerspiegeln, was Ihre Destination tatsächlich leistet (z. B. in Bezug auf Nachhaltigkeit, Mobilität und Regionalität). Dazu braucht es Abstimmung zwischen Marketing, Produktentwicklung und Politik.
  4. Kommunikation modular und flexibel gestalten.
    Entwickeln Sie Marketing-Assets (Headlines, CTA etc.) so, dass sie leicht angepasst, kombiniert und auf unterschiedliche Zielgruppen und Kontexte zugeschnitten werden können. Keine starren Kampagnenlogiken!
  5. Organisatorische Resilienz aufbauen.
    Setzen Sie auf flexible Budgets, kurze Entscheidungswege und iterative Planung, um auf Krisen und Nachfrageschwankungen schnell reagieren zu können.

Hinweis: Die Arbeit fokussierte sich primär auf Konsumgüter und wurde lediglich für diesen Blogartikel auf den Tourismus übertragen. Der Blogartikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Quellen:

  • Bruhn, M. (2025). Kommunikationspolitik: Systematischer Einsatz der Kommunikation für Unternehmen (10. Aufl.). Vahlen.
  • Gaubinger, K. (2021). Hybrides Innovationsmanagement für den Mittelstand in einer VUCA-Welt: Vorgehensmodelle – Methoden – Erfolgsfaktoren – Praxisbeispiele. Springer Gabler.
  • Drechsler, D. (2021). Futures Studies, Foresight Management und Szenario-Technik. In C. Zerres (Hrsg.), Handbuch Marketing-Controlling: Grundlagen – Methoden – Umsetzung (S. 223–245). Springer Gabler.
  • von Reibnitz, U. (1992). Szenario-Technik: Instrumente für die unternehmerische und persönliche Erfolgsplanung (2. Aufl.). Gabler.